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Magazin Roadsterfreund

Wolfgang Paris schreibt für die Roadsterfreunde Austria brandaktuelle, spaßige, und interessante Berichte zum Thema "Roadster und Cabrio". 
Viel VergnĂĽgen mit den geschmackvoll inszinierten Geschichten von Wolfgang Paris!

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NEU NEU NEU: Kolumne "Buenos AIRES"

2009
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SpringDrive

oder die ungekannte Seite des Erich Fried

(Autor: Wolfgang Paris)

Die heurige Saison hat nun längst begonnen, nachdem der April noch zu Zeiten der Winterreifenpflicht mit Temperaturen prahlte, die eher einem Juli gebühren würden.

Einige tragen schon mehr oder weniger stolz den ersten Sonnenbrand in ihrem Antlitz von den FrĂĽhjahrseinweihungsfahrten, nachdem sie ihr Baby sanft aus dem Winterschlaf geholt hatten.
  Zartes Zurückschlagen der Plane, Reifendruck auf Zwozwo und Zwovier ergänzt, abgebockt, Motoröl- und Kühlwasserstand kontrolliert, bei einigen sogar noch Vergaser entlüftet, Schwimmernadel justiert und den Motor in den ersten Umdrehungsrülpser gekitzelt.

Und da war es plötzlich wieder
Dieses unwiderstehliche Brummen, das Vibrieren, das sich über die Motorlager durch die Bodenplatte und das Sitzgestühl bis in die Leistengegend zieht, um dort direkt in das Zentralnervensystem überzugehen. Die Lust befiehlt dem rechten Fuß einen Wadenkrampf zu provozieren und die Zehenspitzen mit dem darunter liegenden Pedal durch das Blech zu drücken, als ob es sich um eine Platte aus Plastilin handeln würde, doch die Großhirnrinde, noch unbeeindruckt ob der gewaltigen Ausschüttung an Endorphinen, ruft zur Zurückhaltung und Mäßigung, damit nichts und niemand Schaden nimmt.
  Ob Erich Fried wohl daran dachte als er die wohl schönsten schizophrenen Zeilen schrieb? Trotz alldem beginnt der rechte Fuß wellenartig den Gasseilzug zu bedienen, der nun die Befehle unverzüglich an die gesamte Motorsteuerung dirigiert.

Musikvereinssaal – vergessen Sie´s
Kein Orchester der Welt schafft diese Gänsehaut, als wenn die ersten sonoren Bässe im Lehrlauf bollern, wenn die Kurbelwelle sich noch um Massenausgleich bettelnd im Kaltlauf hin und her wirft, das gesamte Organ sich noch hie und da durch das Kondenswasser im Ansaugtrakt verkutzt und die Hände das Gestänge Pawlow-gleich entriegeln und zurückwerfen, damit die Garagenwände diese Symphonie dopplermäßig wiedergeben – Stereo naturale!

Während einem das Unterbewusstsein noch Tagtraumgleich eine Fahrt auf den Straßen Cinque Terras simuliert, wo bei der ungezählten Abwechslung zwischen Brücke und Tunnel sogar jede Klosterschwester bei der Einfahrt in die Durchfahrten zurückschaltet ob der grandiosen Begleitmusik der Tunnelwände – selbst jeder Golf Turbodiesel verkümmert dabei zu seinen Initialen und ertrinkt in seinen eigenen Klangfarben – führt die rechte Hand bereits die dazu passende Bewegung aus. Aus dem daraus resultierenden Widerstand schließt man bereist auf die Zuständigkeit des Schaltgetriebes und man ärgert sich, zu wenig Schigymnastik gemacht zu haben – Stockeinsatz und Zurückschalten sind Bewegungstechnisch eng verwandt.
Die letzten Gehirnzellen die jetzt noch für den Erhaltungstrieb sorgen befehlen noch rechtzeitig der Motorik vom Sitz zu lassen und das Garagentor zu öffnen, damit nicht ein weiterer trauriger Fall spekulativ, aber ungelöst in den Archiven der Pathologie und Kriminalpolizei verstauben muss.

Beim Betrachten der trockenen und bereits gekehrten Straßen siegt sofort der Unsinn über die Vernunft und eher man es sich versieht, rattern vor dem inneren Auge die Routen vorbei, auf denen man lang nicht mehr gesehene Freunde besuchen fahren könnte. Kurz vor jedem möglichen Ziel besinnt man sich und versucht ungekannt noch schnell abzubiegen. Was soll´s – lang nicht gesehen – die hätten sich auch melden können. Zu schad wär es jetzt stehen zu bleiben. Nach dem ersten notwendigen Auftanken, 280 Kilometer fahrfreudigste Serpentinen zollen Tribut, gönnt man seinem Schatz sogar die teurere Premiumoktanität, dazu einen neuen, absolut überteuerten Rehlederschwamm vom Tankstellenkassenaugenhöhenkaufmichregal. Vor der Rückkehr wird noch schnell einmal für zwei Stunden der Wagen hinten an der Agip handgewaschen und trocken gestreichelt, damit er sich nicht genieren muss.
In der Garage wird dann noch einmal der Auspuff innen trocken gerieben, damit der Kodenswasserrückstand nicht Flugrost im Chromgeweih ansetzt. Ein letzer Hautkontakt am linken Kotflügel, ein letzter sehnsüchtiger Blick zurück beim Abdrehen des Lichts der symbiotisch mit einem vorfreudigen Seufzer einhergeht – Es ist was es ist!


Was es ist

(Erich Fried)

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist UnglĂĽck
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Beim nächsten Mal wird es um den traurigen Abschied einer Koryphäe gehen – stay tuned!

Wolfgang Paris
Mai09

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Kommentare

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