 Wolfgang Paris schreibt fĂĽr die Roadsterfreunde Austria brandaktuelle, spaĂźige, und
interessante Berichte zum Thema "Roadster und Cabrio". Viel Vergnügen mit den geschmackvoll
inszinierten Geschichten von Wolfgang Paris!
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SpringDrive
oder die ungekannte Seite des Erich Fried(Autor: Wolfgang Paris)
Die
heurige Saison hat nun längst begonnen, nachdem der April noch zu
Zeiten der Winterreifenpflicht mit Temperaturen prahlte, die eher einem
Juli gebĂĽhren wĂĽrden.
Einige
tragen schon mehr oder weniger stolz den ersten Sonnenbrand in ihrem
Antlitz von den FrĂĽhjahrseinweihungsfahrten, nachdem sie ihr Baby sanft
aus dem Winterschlaf geholt hatten. Â Zartes ZurĂĽckschlagen der
Plane, Reifendruck auf Zwozwo und Zwovier ergänzt, abgebockt, Motoröl-
und KĂĽhlwasserstand kontrolliert, bei einigen sogar noch Vergaser
entlĂĽftet, Schwimmernadel justiert und den Motor in den ersten
UmdrehungsrĂĽlpser gekitzelt.
Und da war es plötzlich wieder Dieses
unwiderstehliche Brummen, das Vibrieren, das sich ĂĽber die Motorlager
durch die Bodenplatte und das SitzgestĂĽhl bis in die Leistengegend
zieht, um dort direkt in das Zentralnervensystem ĂĽberzugehen. Die Lust
befiehlt dem rechten FuĂź einen Wadenkrampf zu provozieren und die
Zehenspitzen mit dem darunter liegenden Pedal durch das Blech zu
drĂĽcken, als ob es sich um eine Platte aus Plastilin handeln wĂĽrde,
doch die GroĂźhirnrinde, noch unbeeindruckt ob der gewaltigen
Ausschüttung an Endorphinen, ruft zur Zurückhaltung und Mäßigung, damit
nichts und niemand Schaden nimmt. Â Ob Erich Fried wohl daran
dachte als er die wohl schönsten schizophrenen Zeilen schrieb? Trotz
alldem beginnt der rechte FuĂź wellenartig den Gasseilzug zu bedienen,
der nun die Befehle unverzĂĽglich an die gesamte Motorsteuerung
dirigiert.
Musikvereinssaal – vergessen Sie´s Kein
Orchester der Welt schafft diese Gänsehaut, als wenn die ersten sonoren
Bässe im Lehrlauf bollern, wenn die Kurbelwelle sich noch um
Massenausgleich bettelnd im Kaltlauf hin und her wirft, das gesamte
Organ sich noch hie und da durch das Kondenswasser im Ansaugtrakt
verkutzt und die Hände das Gestänge Pawlow-gleich entriegeln und
zurückwerfen, damit die Garagenwände diese Symphonie dopplermäßig
wiedergeben – Stereo naturale!
Während
einem das Unterbewusstsein noch Tagtraumgleich eine Fahrt auf den
Straßen Cinque Terras simuliert, wo bei der ungezählten Abwechslung
zwischen BrĂĽcke und Tunnel sogar jede Klosterschwester bei der Einfahrt
in die Durchfahrten zurĂĽckschaltet ob der grandiosen Begleitmusik der
Tunnelwände – selbst jeder Golf Turbodiesel verkümmert dabei zu seinen
Initialen und ertrinkt in seinen eigenen Klangfarben – führt die rechte
Hand bereits die dazu passende Bewegung aus. Aus dem daraus
resultierenden Widerstand schließt man bereist auf die Zuständigkeit
des Schaltgetriebes und man ärgert sich, zu wenig Schigymnastik gemacht
zu haben – Stockeinsatz und Zurückschalten sind Bewegungstechnisch eng
verwandt. Die letzten Gehirnzellen die jetzt noch fĂĽr den
Erhaltungstrieb sorgen befehlen noch rechtzeitig der Motorik vom Sitz
zu lassen und das Garagentor zu öffnen, damit nicht ein weiterer
trauriger Fall spekulativ, aber ungelöst in den Archiven der Pathologie
und Kriminalpolizei verstauben muss.
Beim Betrachten der
trockenen und bereits gekehrten StraĂźen siegt sofort der Unsinn ĂĽber
die Vernunft und eher man es sich versieht, rattern vor dem inneren
Auge die Routen vorbei, auf denen man lang nicht mehr gesehene Freunde
besuchen fahren könnte. Kurz vor jedem möglichen Ziel besinnt man sich
und versucht ungekannt noch schnell abzubiegen. Was soll´s – lang nicht gesehen – die hätten sich auch melden können.
Zu schad wär es jetzt stehen zu bleiben. Nach dem ersten notwendigen
Auftanken, 280 Kilometer fahrfreudigste Serpentinen zollen Tribut,
gönnt man seinem Schatz sogar die teurere Premiumoktanität, dazu einen
neuen, absolut ĂĽberteuerten Rehlederschwamm vom
Tankstellenkassenaugenhöhenkaufmichregal. Vor der Rückkehr wird noch
schnell einmal fĂĽr zwei Stunden der Wagen hinten an der Agip
handgewaschen und trocken gestreichelt, damit er sich nicht genieren
muss. In der Garage wird dann noch einmal der Auspuff innen
trocken gerieben, damit der KodenswasserrĂĽckstand nicht Flugrost im
Chromgeweih ansetzt. Ein letzer Hautkontakt am linken KotflĂĽgel, ein
letzter sehnsĂĽchtiger Blick zurĂĽck beim Abdrehen des Lichts der
symbiotisch mit einem vorfreudigen Seufzer einhergeht – Es ist was es
ist!
Was es ist(Erich Fried)
Es ist Unsinn sagt die Vernunft Es ist was es ist sagt die Liebe Es ist Unglück sagt die Berechnung Es ist nichts als Schmerz sagt die Angst Es ist aussichtslos sagt die Einsicht Es ist was es ist sagt die Liebe Es ist lächerlich sagt der Stolz Es ist leichtsinnig sagt die Vorsicht Es ist unmöglich sagt die Erfahrung Es ist was es ist sagt die Liebe
Beim nächsten Mal wird es um den traurigen Abschied einer Koryphäe gehen – stay tuned!
Wolfgang Paris Mai09
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