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Wolfgang Paris schreibt für die Roadsterfreunde Austria brandaktuelle, spaßige, und interessante Berichte zum Thema "Roadster und Cabrio". 
Viel Vergnügen mit den geschmackvoll inszinierten Geschichten von Wolfgang Paris!

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Nekrolog

2009
Buenos AIRES >> 2009

 

Nekrolog

(Autor: Wolfgang Paris)

Unmerklich, während bei uns das Wetter wieder wärmer wird, die EU-Wahlen geschlagen sind und uns eine Dame mit dem schwachsinnigen Namen Lady Gaga mit ihrem gleichermaßen nervtötenden wie kulturell ersparenswerten Song auf die Nerven geht, ist ein anderer von uns gegangen und dieser Ast des Stammbaumes verdorrt, und eine der feinsten Seelen der Automobilgeschichte ins Nirvana hinübergehen kann, da es scheint, es hätte nichts mehr für sie zum dazulernen gegeben.

Hörten wir bereits im Jänner die Glocken aus der Konzerzentrale für ihn läuten, so dauerte es doch ein wenig, bis sich der Klang von Suzuka bis in unsere Breitengrade verebbte. Er wird in unserem von silbernen Gölfen überschwemmten – sogar die Polizei ist schon dabei - Straßenbild kaum abgehen, da er einen Seltenheitswert hatte, der höchstens von einem SEAT Toledo 2008 übertroffen wurde (1 Stück Österreichweit verkauft, gleich auf mit Ferrari 612 Scaglietti). Trotz alldem darf er nicht ohne der ihm zustehenden Hommage von Dannen ziehen.

  Angefangen hatte alles im Oktober 1995, als auf der 31. Tokyo Motor Show die Studie SSM zum 50. Geburtstag der Marke zum ersten Mal das Licht der Welt erblickte, hauptsächlich als Reminiszenz an die alte S800. In den weiteren Jahren reifte der Entschluss der Konzernführung, das Auto als Kleinserie aufzulegen, und so war es nach weiteren Studienpräsentationen in Amerika und Europa 1999 endlich so weit.

  Neben dem rattenscharfen Design, welches seine Gültigkeit bis heute nicht abgelegt hat, machten die Techniker jedoch allen sabbernden Motorenfreaks ein Geschenk der besonderen Art. 120 PS pro Liter Hubraum, und das bei einer Auslegung als reinen Sauger – ein bis heute gültiger Rekord, der wahrscheinlich sich auf einer zeitlichen Amöbiusschleife in die Unendlichkeit einklinken wird, da uns das Tagesmenü mittlerweile mit kleinformatigen, dafür aber registergeladenen Hubräumen bedient – nur zum Verständnis: 1,4l bedeutetet  noch vor 12 Jahren im Golf 3 55 PS, heute kitzelt man aus der selben Kubatur im selben Konzern 170 Pferdchen, also drei mal so viel!

 Wenn man dies mit den 1997cm2 machen würde, dann käme man laut Milchmädchenrechnung auf knappe 720 PS, wie gesagt, wenn man würde. Doch stellte sich bis dato niemand die Frage nach mehr Leistung, vor allem nicht, nach dem er das erste Mal in diesem Fahrzeug Platz genommen hatte. Es mag ja sein, dass es ein Fehler war, diese Fahrmaschine als Roadster vom Band laufen zu lassen, täuschte es doch über seine wahre Bestimmung hinweg und lockte auch viele Sonnenanbeter und Sonntagsfahrer ins Cockpit, die dessen roten Startknopf – der erste damals, lange vor Renault und BMW – als Mahnmal nicht zu deuten wussten. Viele schwere Unfälle und eine Versicherungsprämie, die selbst bei der Scuderia für trockene Mandeln sorgte, waren die Folge. Bordsteingigolos und Frisösen sind in SLK und MX5* besser aufgehoben, doch haben jene mit diesem Fahrzeug genauso viel zu tun, wie die Südsteirische Weinstraße mit dem Circuit de Catalunya.

  Es handelt sich nämlich hierbei um die absolute Fahrmaschine für Kenner, mehr denn je für Könner: straffe Federung, bei der man bei Vertragsunterzeichnung einen 10er-Block vom Chiropraktiker dazubekam, einen Geradeauslauf, der nervöser war als Bernhard Kohl bei seinem Geständnis und ein Heck, das dich oft schneller überholte, als du eine Horde Pensionisten mit Gehhilfe.

  Hinzu gesellt sich unter die lange Motorhaube des absolut verwindungsresistenten Rahmens (ein Unikat unter den Offenen) ein Aggregat, das aus annähernd zwei Litern Hubraum 240 PS auf die Kardanwelle schüttelt. Die zu jener Zeit der Materialisierung der Ideen nicht wenig erfolgreiche Motorsportdivision im Konzern musste einiges dazu beigesteuert haben, denn das Triebwerk – nomen est omen – gibt sich als Drehorgel erster Ordnung zu erkennen, das über die knackige Schaltung zwar bei Laune gehalten werden will, danach ab 5850 rpm, wenn die variable Ventilsteuerung die scharfen Nocken aktiviert und der Schub über einen herfällt jedoch kaum Halt bis zum Begrenzer jenseits der 9000er Marke kennt (Während des Lesens des letzten Satzes, hätte das Triebwerk bereits 8640 Umdrehungen machen können – das sind zum Verdeutlichen genauso viele, wie ein Sekundenzeiger in sechs vollen Tagen schafft). Hier wird auch wieder einmal die Historie und die Verwandtschaft zu den Zweirädrigen Schwestern bewusst. Selbst wenn die Fraktion gleichermaßen Suchtpotential liefert, so kann das Kürzel CBR nie an jenes des  herankommen. In diesem Sinne, sag zum Abschied auf keinen Fall leise Servus, denn du hast es dir verdient, dass man sich deiner auf ewig erinnert, am besten konserviert neben dem Marcuswagen auf einem Ehrenplatz (liebe Frau Dr.Zuna-Kratky)!


SERVUS!!!!!!!!
(lat.: Ich bin dein Diener)




* Ich distanziere mich hier gleich auch jeglichen Vorwürfen von Klischeezuweisungen und von der Kranabetter-Erbfolge: Ich hab nichts gegen euch, ehrlich! Gleichermaßen könnte man noch alles nennen, was so im Garten des Roadsterclubs kreucht und fleucht – es wäre doch nur einerlei!



Wolfgang Paris
Juli 2009

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Kommentare

XMsTyDHR
AFAIC that's the best anwser so far!
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