 Wolfgang Paris schreibt für die Roadsterfreunde Austria brandaktuelle, spaßige, und
interessante Berichte zum Thema "Roadster und Cabrio". Viel Vergnügen mit den geschmackvoll
inszinierten Geschichten von Wolfgang Paris!
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Nekrolog(Autor: Wolfgang Paris)
Unmerklich,
während bei uns das Wetter wieder wärmer wird, die EU-Wahlen geschlagen
sind und uns eine Dame mit dem schwachsinnigen Namen Lady Gaga mit
ihrem gleichermaßen nervtötenden wie kulturell ersparenswerten Song auf
die Nerven geht, ist ein anderer von uns gegangen und dieser Ast des
Stammbaumes verdorrt, und eine der feinsten Seelen der
Automobilgeschichte ins Nirvana hinübergehen kann, da es scheint, es
hätte nichts mehr für sie zum dazulernen gegeben.
Hörten
wir bereits im Jänner die Glocken aus der Konzerzentrale für ihn
läuten, so dauerte es doch ein wenig, bis sich der Klang von Suzuka bis
in unsere Breitengrade verebbte. Er wird in unserem von silbernen
Gölfen überschwemmten – sogar die Polizei ist schon dabei - Straßenbild
kaum abgehen, da er einen Seltenheitswert hatte, der höchstens von
einem SEAT Toledo 2008 übertroffen wurde (1 Stück Österreichweit
verkauft, gleich auf mit Ferrari 612 Scaglietti). Trotz alldem darf er
nicht ohne der ihm zustehenden Hommage von Dannen ziehen.
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Angefangen hatte alles im Oktober 1995, als auf der 31. Tokyo Motor
Show die Studie SSM zum 50. Geburtstag der Marke zum ersten Mal das
Licht der Welt erblickte, hauptsächlich als Reminiszenz an die alte
S800. In den weiteren Jahren reifte der Entschluss der Konzernführung,
das Auto als Kleinserie aufzulegen, und so war es nach weiteren
Studienpräsentationen in Amerika und Europa 1999 endlich so weit.
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Neben dem rattenscharfen Design, welches seine Gültigkeit bis heute
nicht abgelegt hat, machten die Techniker jedoch allen sabbernden
Motorenfreaks ein Geschenk der besonderen Art. 120 PS pro Liter
Hubraum, und das bei einer Auslegung als reinen Sauger – ein bis heute
gültiger Rekord, der wahrscheinlich sich auf einer zeitlichen
Amöbiusschleife in die Unendlichkeit einklinken wird, da uns das
Tagesmenü mittlerweile mit kleinformatigen, dafür aber
registergeladenen Hubräumen bedient – nur zum Verständnis: 1,4l
bedeutetet noch vor 12 Jahren im Golf 3 55 PS, heute kitzelt man aus
der selben Kubatur im selben Konzern 170 Pferdchen, also drei mal so
viel!
 Wenn man dies mit den 1997cm2 machen würde,
dann käme man laut Milchmädchenrechnung auf knappe 720 PS, wie gesagt,
wenn man würde. Doch stellte sich bis dato niemand die Frage nach mehr
Leistung, vor allem nicht, nach dem er das erste Mal in diesem Fahrzeug
Platz genommen hatte. Es mag ja sein, dass es ein Fehler war, diese
Fahrmaschine als Roadster vom Band laufen zu lassen, täuschte es doch
über seine wahre Bestimmung hinweg und lockte auch viele Sonnenanbeter
und Sonntagsfahrer ins Cockpit, die dessen roten Startknopf – der erste
damals, lange vor Renault und BMW – als Mahnmal nicht zu deuten
wussten. Viele schwere Unfälle und eine Versicherungsprämie, die selbst
bei der Scuderia für trockene Mandeln sorgte, waren die Folge.
Bordsteingigolos und Frisösen sind in SLK und MX5*
besser aufgehoben, doch haben jene mit diesem Fahrzeug genauso viel zu
tun, wie die Südsteirische Weinstraße mit dem Circuit de Catalunya.
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Es handelt sich nämlich hierbei um die absolute Fahrmaschine für
Kenner, mehr denn je für Könner: straffe Federung, bei der man bei
Vertragsunterzeichnung einen 10er-Block vom Chiropraktiker dazubekam,
einen Geradeauslauf, der nervöser war als Bernhard Kohl bei seinem
Geständnis und ein Heck, das dich oft schneller überholte, als du eine
Horde Pensionisten mit Gehhilfe.
 Hinzu gesellt sich unter
die lange Motorhaube des absolut verwindungsresistenten Rahmens (ein
Unikat unter den Offenen) ein Aggregat, das aus annähernd zwei Litern
Hubraum 240 PS auf die Kardanwelle schüttelt. Die zu jener Zeit der
Materialisierung der Ideen nicht wenig erfolgreiche Motorsportdivision
im Konzern musste einiges dazu beigesteuert haben, denn das Triebwerk –
nomen est omen – gibt sich als Drehorgel erster Ordnung zu erkennen,
das über die knackige Schaltung zwar bei Laune gehalten werden will,
danach ab 5850 rpm, wenn die variable Ventilsteuerung die scharfen
Nocken aktiviert und der Schub über einen herfällt jedoch kaum Halt bis
zum Begrenzer jenseits der 9000er Marke kennt (Während des Lesens des
letzten Satzes, hätte das Triebwerk bereits 8640 Umdrehungen machen
können – das sind zum Verdeutlichen genauso viele, wie ein
Sekundenzeiger in sechs vollen Tagen schafft). Hier wird auch wieder
einmal die Historie und die Verwandtschaft zu den Zweirädrigen
Schwestern bewusst. Selbst wenn die Fraktion gleichermaßen
Suchtpotential liefert, so kann das Kürzel CBR nie an jenes desÂ
herankommen. In diesem Sinne, sag zum Abschied auf keinen Fall leise
Servus, denn du hast es dir verdient, dass man sich deiner auf ewig
erinnert, am besten konserviert neben dem Marcuswagen auf einem
Ehrenplatz (liebe Frau Dr.Zuna-Kratky)!
SERVUS!!!!!!!! (lat.: Ich bin dein Diener) 
*
Ich distanziere mich hier gleich auch jeglichen Vorwürfen von
Klischeezuweisungen und von der Kranabetter-Erbfolge: Ich hab nichts
gegen euch, ehrlich! Gleichermaßen könnte man noch alles nennen, was so
im Garten des Roadsterclubs kreucht und fleucht – es wäre doch nur
einerlei!
Wolfgang Paris Juli 2009
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