 Wolfgang Paris schreibt für die Roadsterfreunde Austria brandaktuelle, spaßige, und
interessante Berichte zum Thema "Roadster und Cabrio". Viel Vergnügen mit den geschmackvoll
inszinierten Geschichten von Wolfgang Paris!
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Neuheiten von oben betrachtet
(Autor: Wolfgang Paris)
„Da
steh´ ich nun ich armer Thor und bin so klug als wie zuvor!“ Dieser
normalerweise Goethe zugewiesene Ausspruch bekommt aber leider auch
Gewichtung, ausgesprochen von meinem Bekannten G., der gerade von den
Heckleuchten seiner eben erst zugelegten Lotus Exige überholt wurde und
diese im Weiteren der Kaltverformung entlang einer Friedhofsmauer
zugeführt hatte.Â
Dies
ganze ist insoweit doppeldeutig, als dass es zu diesem Zeitpunkt knappe
8 Grad unter Null hatte und der Wagen für alle Zeit verendete. Dabei
wollte G. seinen neuen Schatz doch nur zum ersten Mal testen. Nach
langer Suche im Internet und zähen Verhandlungen aufgrund des
begrenzten Budgets, strahlte er mich vor einiger Zeit durchs Telefon
an, da er in Tirol fündig wurde. Besichtigt, verhandelt, überstellt und
eingewintert. Dort hätte sie ja auch bis zum Frühjahr bleiben sollen,
wenn nicht G. dieses besondere Kribbeln unter den Fingernägeln geführt
hätte, das wir doch alle angesichts der kalten Jahreszeit und den
aufgebockten und zugedeckten Schätzen in den Garagen und Scheunen
kennen. Jedenfalls holte G. nun auch wieder meinen Rat ein, was er sich
denn nun eintreten solle. Also begann ich mit der Aufzählung der
Neuankömmlinge dieser Saison, die wir nicht von der Bettkante, ähm,
Garagenauffahrt stoßen würden.
Ich will gar nicht lange herumreden und komme zur Aufzählung der Feinsten Ware der neuen Saison: Als da wären der Porsche Speedster,
der als Reminiszenz an alte 356er Tage nun auf dem Boxster aufbaut, dem
man 130 kg und das Verdeck entwendete, jedoch im Gegenzug mehr PS
spendierte, allerdings moderat, um die Distanz zum 911 zu wahren. Über
diese Leistungsgrenze prescht mit 340PS jedoch ein Verwandter aus
demselben Autokonzern: der neue Audi TTRS,
der nun endlich wieder über dieses räudige Turbobeatmete
Fünfzylinderröcheln aus zwokommafünf Litern Hubraum verfügt, das uns
allen schlaflose Nächte und auswechselbedürftige Leintücher bescherte.
Als schönstes und begehrenswertestes (Noch)-Nichtcabrio gilt in dieser
Saison der Mercedes SLS, der
komplett vom hauseigenen Tuner AMG entwickelt, konstruiert und gebaut
wird, befeuert vom hubraumstärksten Triebwerk des Hauses, das seine
Kraft aus 6,2 l schöpft (werbestrategisch jedoch als 6.3 geführt wird,
ob der ruhmreichen Vergangenheit wegen) und für neue
Supersporteigenschaften auf Trockensumpfschmierung umgebaut wurde. Wer
neben dem Aussehen und der Fahrleistungen auch auf die Umwelt achtet,
der kennt mit Sicherheit schon den Tesla Roadster,
der auf dem Lotus Elise Chassis aufbaut und rein elektrisch betrieben
wird. Zwar nicht ganz neu, aber endlich in Österreich lieferbar. Verabschieden müssen wir uns hingegen für immer vom Honda 2000, der uns bereits im Juli 2009 verlassen hat (siehe Nachruf). Ebenfalls eingestellt wird die Produktion vom VW Beetle Cabrio, das aber nur bedingt nachtrauerwürdig ist und außerdem in zwei Jahren durchs neue Modell ersetzt wird.
Ich
war noch lang nicht am Ende meiner Aufzählungen, da gab G. auf.
Einerseits weil er bereits bei den Berichten aus dem Schwabenland vor
lauter Sabbern dehydrierte und andererseits, weil das letzte Restchen
Feuchtigkeit als Tränen durch seine Augen schoss, angesichts dessen,
dass seine finanziellen Ressourcen begrenzt sind, trotz der Auszahlung
der vollkaskoversicherten Exige. So viel Depression vertrug ich nicht,
also stieg ich in mein Mercedes (Puch) G 500 Cabrio und erklomm offen durch 30cm Neuschnee den nächsten Berggipfel, um von dort nach weiteren Neuankömmlingen Ausschau zu halten.
Wolfgang Paris Jänner 2010
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